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fast 60 Jahre CDU in Dermbach selbst erlebt

 

 

Eine Erinnerung an die Gründung unserer Partei

und ihre ersten Schritte


von Bruno Schubert †

 
 
 
 
 




 

In vorliegender Broschüre soll an die ersten Jahre unserer Partei erinnert und der politischen Leistung der Pioniere der CDU in unserem Heimatort gedacht werden.


Ich möchte verhindern, dass die bahnbrechende Arbeit unserer Gründungsmitglieder in Vergessenheit gerät, darunter auch die Arbeit des ersten CDU-Bürgermeisters nach dem Krieg, meines Vaters.


Wenn ich auch erst am 29. März 1946 unter der Nummer 92 in die Stammrolle der Ortsgruppe eingetragen bin, so fühle ich mich als Gründungsmitglied unserer Partei.


Ich habe an sämtlichen Gründungsversammlungen und Zusammen-künften teilgenommen, war aber bei der Gründung, am 1.Oktober 1945 erst neunzehn Jahre alt und damit zur damaligen Zeit noch nicht volljährig.


Es wurde mir geraten, eine Ortsgruppe Junge Union zu gründen. Das war damals undurchführbar.


Ich habe von Anfang an aktiv in der CDU mitgearbeitet und als Berufsschullehrer die Probleme der Mitgliedschaft in einer Block-partei zur Genüge kennen gelernt.


Vom 21.Oktober bis 8. November 1952 besuchte ich die Landes-parteischule Georg Dertinger in Weimar, (siehe Teilnahme-bescheinigung im Anhang.)



Dermbach, im Januar 2004








Inhaltsverzeichnis


Das Ende und der Anfang

Die Christlich Demokratische Union

Gründung und Werdegang der CDU Ortsgruppe Dermbach

Unsere Gründungsmitglieder Aufnahmetag: 1.10.1945

Wahlen in der DDR

Der Antifa-Block

Die Arbeit des CDU-Bürgermeisters

Die Rolle der CDU in der atheistisch geprägten DDR

Neuer Anfang



Das Ende und der Anfang


Bei der Kapitulation am 8. Mai 1945 war vom Großdeutschen Reich nur ein Trümmerhaufen übrig geblieben.

Aus dem Zweiten Weltkrieg sind die beiden Supermächte USA und die Sowjetunion als handlungsfähige Sieger hervorgegangen.

Die europäischen Großmächte Großbritannien und Frankreich konnten nach dem Krieg keine Weltgeltung mehr gewinnen.

Frankreich nahm nicht einmal mehr an den großen Konferenzen in Jalta, auf der Krim und in Potsdam teil, auf denen die Großen Drei vergeblich eine neue Nachkriegsordnung auszuhandeln versuchten.


Während die westlichen Alliierten in ihrem Einflussbereich die alten Demokratien wieder herstellten, wurde in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschland bald eine kommunistische Regierung eingesetzt.

Politisch entwickelte sich Deutschland nach dem Krieg so viel-fältig, wie zu Zeiten der Weimarer Republik.

1945 wurden von den alliierten Besatzern die traditionsreichen und unter dem Nationalsozialismus zerschlagenen Parteien KPD und SPD zugelassen.

Der sowjetische Einfluss dehnte sich 1945 so weit aus, wie die Rote Armee vorgestoßen war.


Neu waren die Freiheitliche Demokratische Partei (FDP), die Christlich Demokratische Union (CDU) und auf Bayern beschränkt, die Christlich Soziale Union (CSU).

Auch der humanste Krieg

ist keinen Schuss Pulver wert!


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Die Christlich Demokratische Union


Während die KPD und die SPD 1945 in ihrer Form von vor 1933 wieder zugelassen wurden, bildete sich die CDU 1945 völlig neu.


Die Zentrumspartei hat in vielen Dingen bei der Gründung der CDU Pate gestanden.

Zum gravierenden Unterschied zur neugegründeten CDU war das Zentrum konfessionell gebunden und eine rein katholische Partei des Kaiserreiches und der Weimarer Republik (1870/71 bis 1933).


Sie war, was der Name Zentrum aussagt, eine Partei der Mitte, im Gegensatz zu links und rechts.


Die meisten Begründer der CDU kamen aus dem Zentrum.

So z. Bsp. der Vorsitzende der CDU in der britischen Zone, Konrad Adenauer, (seit 1906 Mitglied) und der Vorsitzende der CDU der Sowjetischen Besatzungszone, Jakob Kaiser, (1947 von den Sowjets wieder abgesetzt.)


Die CDU kann auch deshalb nicht als Nachfolge der Zentrumspartei angesehen werden, da sich in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen die Deutsche Zentrumspartei 1945 neu bildete.

Sie hatte im ersten Bundestag zehn Sitze.

Heute ist sie eine unbedeutende Splitterpartei.


Durch das Wort Union, an Stelle von Partei, wird der entscheidende Unterschied zur Zentrumspartei betont, denn die CDU ist eine christliche Partei auf überkonfessioneller Grundlage gegründet.

(Duden: Union = Bund, Vereinigung, Verbindung bes. von Staaten u. von Kirchen mit verschiedenen Bekenntnissen.)


Das Mehrparteiensystem war der Sowjetischen Militäradministration ein Dorn im Auge

Sie strebten eine kommunistische Alleinherrschaft an.

So wurden in der sowjetischen Besatzungszone die SPD und die KPD schon am 21. April 1946 gegen den Willen vieler Sozialdemokraten zur SED (Sozialistische Einheitspartei) zusammengeschlos-sen.


Um den Status eines Einparteienstaates zu ereichen und die Führungsrolle der SED zu sichern, wurde die führende Rolle der SED in der Verfassung der DDR festgeschrieben.

Auch die CDU hatte in der sowjetischen Zone schon ab 1948 unter dem Druck der Besatzungs-macht zum großen Teil ihre Selbständigkeit eingebüsst.

Sie wurde, nach der Gründung der DDR, als Blockpartei der SED untergeordnet.


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Gründung und Werdegang der CDU Ortsgruppe Dermbach


In unserer Gemeinde fanden sich, wie in vielen Städten und Dörfern der damaligen sowjetischen Besatzungszone am 1. Okt. 1945 beherzte Männer zusammen, die unsere Ortsgruppe gründeten.


Versetzen wir uns zurück in das Jahr 1945.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ nicht nur kaputte Städte und Landschaften, sondern auch durch die nationalsozialistische Ideologie und den Rassen-wahn eine geistig-politische Trümmerwüste.

Es bedurfte ein hohes Maß an Mut und Verant-wortungsbereitschaft, um aus dieser Trümmer-wüste ein demokratisches Gemeinwesen zu errichten.


In der sowjetisch besetzten Zone gab es den Befehl zum Aufbau antifaschistischer Parteien, doch wurde er ausdrücklich der Kontrolle und den Weisungen der Sowjetischen Besatzungsmacht unterstellt.


In Dermbach fanden sich bereits im Spätsommer 1945 beherzte Männer zu mehreren Zusammen-künften im katholischen Pfarrhaus zusammen, um einen neuen politischen Anfang zu wagen und damit die Gründung der Ortsgruppe vorzubereiten.


Wer waren diese Männer?

In erster Linie waren es Bürger, die nicht der NSDAP oder einer ihrer Organisationen

Angehörten.

Viele hatten das NS-System abgelehnt und einige waren Verfolgte, anerkannte Antifaschisten, wie man damals sagte.

Einige Männer waren Soldat und erst wenige Wochen vorher aus der Gefangenschaft entlassen.

Viele waren noch in Gefangenschaft oder unterwegs in die Heimat.

Auch Bürger, die durch die Kriegswirren, wie Bombenschäden oder Aussiedlung nach Dermbach gekommen waren, waren unter den Gründungs-mitgliedern.

(Siehe abgelichtete Seiten der Stammrolle unserer Ortsgruppe.).

Die Gründung einer Ortsgruppe einer Partei auf der Grundlage überkonfessioneller christlicher Grundsätze war neu und hatte weder Vorbild noch Tradition.

Sie war ein Brückenschlag zwischen evange-lischen und katholischen Christen.


Dieses Zusammengehen war für die damalige Zeit und für unsere Diasporasituation beispielgebend.

Auch die Anzahl von 42 Gründungsmitgliedern ist einmalig.


Dermbach war eine kleine Gemeinde und hatte 1945 weniger als 2000 Einwohner.

Ich wüsste keinen Vergleich einer anderen Gemeinde oder Stadt, der diese Tatsache zahlen-mäßig nahe oder gleich käme.

Bedenken wir, dass zur gleichen Zeit, im Oktober 1945, die CSU für das ganze Land Bayern mit nur ca. 100 Bürgern gegründet wurde.


Ehemalige Parteigenossen der NSDAP, Mitglieder der SA und anderer nationalsozialistischer Gruppen durften ohne Entnazifizierung" keiner antifaschistischer Partei beitreten bzw. eine gründen.. (Befehl der SMA = Sowjetische Militär-Administration).


Trotzdem fanden sich 42 Männer zusammen, um die Ortsgruppe zu gründen.


Wie schon erwähnt, stand die Gründung und der Aufbau antifaschistischer Parteien unter der strengen Kontrolle der Sowjetischen Besatzungs-macht.


In der Gründungsversammlung am 1. Okt, 1945 wurde Herr Reinhold Kirchner zum Vorsitzenden gewählt, den er 1955 an Herbert Waury übergab.

Unionsfreund Josef Mihm machte den Schrift-führer.


Gleich nach der Gründung nahm unsere Orts-gruppe einen sprunghaften Aufstieg.

Ich höre noch unseren damaligen katholischen Pfarrer Hannappel zu Beginn des Jahres 1946 in einer Versammlung sagen:

Ihr Männer, ihr müsst eure Frauen mitbringen und anmelden, wir brauchen eine große Anzahl von Mitgliedern".

So meldeten sich im März 1946 an einem Tag 9 Frauen als CDU-Mitglieder an.


Bis Ende 1946 ist so die Mitgliederzahl auf 110 gestiegen. Darunter waren 15 Frauen.

Das waren mehr als zehn Prozent und für das Jahr 1946 unwahrscheinlich.


Die CDU Ortsgruppe gewann, nicht zuletzt durch das gute Wahlergebnis im September 1946 und die gute Arbeit der Partei vor Ort, immer mehr an Einfluss und Sympathie.

So stieg die Anzahl der Mitglieder bis zur Gründung der DDR 1949 auf 126.

(Anhang = Anwesenheitsliste vom Febr.1947.)


Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik kam der Partei der Arbeiterklasse die Führungsrolle im Staate auch verfassungsmäßig zu (§ 1 der DDR Verfassung) und die Politik der CDU wurde immer mehr eine erzwungene Anpassung an die politischen und ideologischen Vorstellungen der SED.

Das wollten auch in Dermbach viele Mitglieder nicht mittragen, sie wurden zur Resignation veranlasst, einige verzogen in Richtung Westen, einige meldeten sich ab.

Unsere Mitgliederzahl ging stark zurück.

Waren es in der gesamten DDR ca. 25 %, die bis 1950 die Partei verließen, so waren es in Dermbach fast 50 %.

Vor allem die Gründungsmitglieder wollten den kommunistischen Führungsanspruch nicht hinnehmen und fühlten sich in ihren politischen Zielen verraten.


Von den 42 Gründungsmitgliedern waren 1953 noch 12 Männer und Frauen in unserer Ortsgruppe.

Auch in den weiteren Jahren ging die Mitglieder-zahl unserer Ortsgruppe, je nach den Ver- schiedenen Phasen der Politik auf und ab.


So brachte uns der Aufstand am 17. Juni 1953 die Abmeldung von vier Mitgliedern.


1980 waren es wieder 110 Mitglieder und 1990 unter der Führung des Ortsgruppenvorsitzenden Harald Wehner sogar 195.


Heute, nach der politischen Wende, über die Mitgliedschaft in der Ost-CDU oder über das Austreten der einzelnen Mitglieder zu urteilen, ist völlig fehl am Platz.


Als mir nach der politischen Wende die Frage gestellt wurde: Sie waren auch in der Roten CDU?

War meine Antwort: Ja, als ich mich für die CDU entschied, waren unsere Vorsitzende Jakob Kaiser und Ernst Lemmer, und ob die rot waren, weiß ich nicht.


Nicht zu verstehen ist, dass man heute, vierzehn Jahre nach der Wende, nichts dazu gelernt hat. Es ist zum Beispiel nicht zu verstehen, dass man unseren neuen Ministerpräsidenten Dieter Althaus bei seinem Antritt die Frage stellt: Ärgert es Sie, dass man Ihnen immer wieder Ihre Mitgliedschaft in der Block-CDU vorhält? Die Antwort unseres Ministerpräsidenten war folgende: Wenn ich bewertet werde, habe ich nichts dagegen, dass auch mein Leben in der DDR in die Waagschale geworfen wird.. Mich ärgert allerdings, dass solche Tatsachen zu Sensationen aufgebauscht werden, obwohl sie kaum als Kennzeichen für größt-mögliche Anpassung taugen.

(Hier sträubt sich sogar mein Computer und

hat das Wort Block-CDU rot unterstrichen.)


 


Staudtblickhaus am Stein

Wiedererrichtet durch die Initiative von

Ortvorsitzenden Harald Wehner im Arbeitseinsatz der CDU Dermbach.














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Unsere Gründungsmitglieder Aufnahmetag: 1.10.1945


Kirchner, Reinhold Dermbach Steinstr. 29 geb. 26.3.1890

in Dermbach, evgl. Korkfabrikant selbständig


Weber, Magnus Dermbach Marktstr. 2 geb. 4.10.1899

in Oberalba, röm. kath. Kaufmann selbständig


Schmidt, Karl Dermbach Neue Str. 7 geb.30.10.1901

in Oberalba, evgl. Elektriker angestellt


Hanappell, Joseph Dermbach Geisaer Str. 23 geb. 13.9.1893

in Himmelsberg, röm. kath. Pfarrer in Dermbach


Etzel, Paul Dermbach Geisaer Str. 29 geb.6.3.1894

in Unteralba röm. kath. Vertreter selbständig


Schubert, Otto Dermbach Geisaer Str. 23 geb. 8.7.1900

in Dermbach röm. kath. Schneidermeister selbständig


Simon, Reinhold Dermbach Schützenstr.1 geb. 28.12.1892

in Dermbach röm.kath. Malermeister selbständig


Jung, Willi Dermbach Marktstr.5 geb. 27.11.1912

in Unteralba röm.kath. Malermeister angestellt


Herbst, Hermann Dermbach Marktstr. 3 geb. 5.7.1910

in Dermbach röm. kath. Friseurmeister selbständig


Schlotzhauer, Karl Dermbach Geisaer Str.12 geb. 8.10.1897

in Diedorf evgl. Metzger Invalide




Greulich, Adolf Dermbach Geisaer Str. 31 geb.9.7.1902 in

Dermbach röm.kath. Schuhmacher Eisenbahner


Weider, Rudolf Dermbach Bahnhofstr. 1 geb. 23.3.1897

In Zella röm. Kath. Schneidermeister selbständig.


Bischoff, Ernst Dermbach Geisaer Str.31 geb. 10.11.1893

in Welchingen röm. Kath. Zimmermeister Glasarbeiter


Wiegand, Heinrich Dermbach Schützenstr.6 geb. 12.11.1888

in Dermbach evgl. Korkfabrikant selbständig


Gehb, Emil Dermbach Schützenstr. 8 geb. 11.11.1902

in Dermbach evgl. Glasbläser angestellt


Simon, Aloys Dermbach Geisaer Str.4 geb. 21.10.1900

in Dermbach röm. kath. Glasbläser angestellt


Wiegand, Rudolf Dermbach Schulstr.8 geb. 13.9.1890

in Dermbach evgl. Maurermeister selbständig


Simon, Hermann Dermbach Schulstr. 9 geb.11.5.1910

in Dermbach röm. Kath. Schneidermeister selbständig


Bittorf, Rudolf Dermbach Geisaer Str. 39 geb. 12.10.1915

in Dermbach röm. kath. Korkarbeiter angestellt


Bittorf, Erich Dermbach Friedhofstr. 5 geb. 19.5.1910

in Kaltennordheim evgl. Malermeister selbständig


Dr. Stapff, Richard Dermbach Steinstr. 7 geb. 8.10.1900

in Dermbach evgl. Arzt Dr. med. selbständig



Simon, Adolf Dermbach Neue Str.9 geb. 21.8.1905

in Dermbach röm. kath. Kaufmann selbständig


Bittorf, Albert Dermbach Friedhofstr. 2 geb.25.3.1891

in Brunhardshausen evgl. Sattlermeister selbständig


Wehner, Emil Dermbach Geisaer Str.11 geb. 2.12.1908

in Dermbach röm. kath. Glasbläser angestellt


Wolfram, Georg Dermbach Schulstr. 2 geb.11.10.1885

in Dorndorf evgl. Zimmermeister selbständig


Simon, Karl August Dermbach Geisaer Str.2 geb. 15.3.1886

in Dermbach röm. kath. Korkschneider Ortspolizei


Zumbusch, Julius Dermbach Bahnhofstr.25 geb. 19.9.1879

in Portropp röm. kath. Gastwirt selbständig


Hahn, Ludwig Dermbach Lengsfelder Str. 4 geb. 26.7.1898

in Grüsselbach röm. kath. Kaufmann selbständig


Bittorf, Franz Dermbach Bahnhofstr. 22 geb. 17.8.1906

in Dermbach röm. kath. Korkfabrikant selbständig


Mihm, Josef Dermbach Neue Str. 3 geb.2.6.1903

in Geisa röm. kath. Kaufmann Spark. Angest.


Thüring, Friedrich Dermbach Schulstr. 3 geb. 19.3.1901

in Unteralba röm. kath. Glasbläser Finanz Angest.


Etzel, Richard Dermbach Geisaer Str. 9 geb. 18.10.1901

in Dermbach röm. kath. Rangierer angestellt



Diel, Rudolf Dermbach Schulstr. 3 geb. 31.5.1904

in Oberalba röm. kath. Glasbläser Finanz. Angest.


Simon, Otto Dermbach Rödestr.8 geb. 7.11.1885

in Dermbach röm. kath. Korkschneider Invalide


Rommel, August Dermbach Schützenstr. 4 geb.31.8.1895

in Dermbach evgl. Korkbohrer angestellt


Simon, Wilhelm Dermbach Schützenstr.1 geb. 4.10.1874

in Dermbach röm. kath. Maurer Rentner


Donius, August Dermbach Rödestr. 2 geb. 19.5.1879

in Dermbach röm. kath. Landwirt selbständig


Schubert, Karl Josef Dermbach Marktstr.9 geb.22.3.1889

in Dermbach röm. kath. Schneidermeister selbständig


Rimbach, Willi Dermbach Steinstr. 35 geb. 15.1.1897

in Unteralba röm. kath. Glasbläser angestellt


Mähler, Franz Dermbach Schulstr. 4 geb. 36.9.1895

in Oberalba röm. kath. Postschaffner angestellt


Simon, Gregor Dermbach Schützenstr. 10 geb. 30.4.1922

in Dermbach röm. kath. Landwirt selbständig


Wiegand, Wilhelm Dermbach Schulstr. 12 geb. 31.5.1896

in Dermbach evgl. Korkenfabrikant selbständig


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Gleich nach der Gründung nahm unsere Ortsgruppe

einen sprunghaften Aufschwung.

Noch im Gründungsjahr 1945 kamen folgende Mitglieder hinzu:


Stöber, Paul Geisaer Str. 33 evgl. Buchbinder angestellt


Stöber, Erich Geisaer Str. 33 evgl. Gärtner selbständig


Weschenfelder, Otto Waldstr. 2 evgl. Kaufmann selbständig


Gimpel, Wilhelm Bahnhofstr.20 röm.kath. Korkfabrikant selbst.


Wehner, Wilhelm Geisaer Str.11 röm.kath. Staatsangest. Kreisamt


Bittorf, Robert Bahnhofstr.26 röm.kath. Korkfabrikant selbst.


Simon, Christian Schützenstr.10 röm.kath. Bauer selbständig


Blum, Albert Steinstr.4 röm.kath. Maurer angestellt


Knackert, Anton Karl-Frie.Str. röm.kath. Werkmeister angestellt


Blum. Reinhold Hauckweg 1 röm.kath. Sparkassen- Angestellter


Commandeuer, Anton Bahnhofstr.25 röm.kath. Bahnbeamter


Sell, Kaspar Buschstr.12 evgl. Korkschneider angestellt


Mötzung Dr. Franz Waldstr.4 röm.kath. Zahnarzt selbständig


Simon, Otto Geisaerstr.8 röm.kath. Schneider angestellt


Wehner, August Geisaerstr.6 röm.kath. Bauer selbständig


Schubert, Hermann Lengsfelder Str.10 Schneidermstr. angestellt


Dietzel, Karl Neue Str. 2 evgl. Lehrer angest. Aushilfslehrer


Heilmann Dr., Gottlieb Wiesenthaler Str.7 röm.kath. prakt.Arzt


Keller, Ernst Steinstr. 2 evgl. Apotheker selbständig


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Wahlen in der DDR


Diese Unterordnung unserer Partei als Blockpartei in die Nationale Front geschah mit Hilfe der Wahl-praktiken der DDR.


Hier möchte ich auf die Wahlen und Wahlpraktiken von 1946 bis 1989 eingehen und sie am Beispiel Dermbach betrachten.


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der damaligen sowjetischen Besatzungszone am 9. September 1946 das ersten Mal gewählt.


Die Situation war wie folgt:

Die SED war, durch den Zusammenschluss von KPD und SPD gerade entstanden, durch die SPD die stärkste Partei der damaligen Ostzone.

Die anderen Parteien, wie DBD (Deutsche Bauernpartei) und NDPD (National –Demokratische -Partei) waren noch nicht überall gegründet und zur Wahl aufgestellt.

So stellten sich bei uns in Dermbach 1946 nur die

SED CDU LDPD zur Wahl.

Außer den Parteien standen noch VdgB (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) und DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschland) auf den Wahlzetteln, die aber bei uns nur wenige Stimmen bekamen.

Das Wahlergebnis für unseren Ort war folgendes:

die CDU bekam 58%

die SED 32%

die LDPD 9,2%


Dieses Ergebnis war nicht repräsentativ für die gesamte DDR.


Unsere Gemeinde bekam durch diese Wahl, nach der Nazi-Diktatur mit ihrem verheerenden Krieg ihren ersten demokratisch gewählten CDU-Bürgermeister, den Schneidermeister Otto Schubert, mein Vater.


Der von der Besatzungsmacht eingesetzte Bürger-meister Wilhelm Schwarz wurde abgelöst.


Die einzelnen Mandate wurden in den Gemeinde-vertretungen sowie auf Kreis- und Landesebene entsprechend verteilt.


Man konnte damals noch mit Einschränkungen von einer demokratischen Wahl sprechen.


Die nächste Wahl wurde nach der Gründung der DDR am 15. Oktober 1950 durchgeführt.


Hier sah es schon ganz anders aus.

Die Wahlvorbereitungen bei uns in Dermbach bestanden unter anderem darin, dass man den CDU-Bürgermeister durch systematische Verleumdungs-artikel in der SED-Presse (siehe Anhang) vor der Wahl zum Rücktritt zwingen wollte.


Das klappte aber nicht, und so wurde er fünf Jahre später, vor der nächsten Wahl, dreimal verhaftet.


Wie das vor sich ging, will ich kurz schildern:

Um die Mittagszeit, als meine Frau aus der Schule kam, waren drei Männer in der Wohnung. Meine Mutter sagte:

Die haben Opa verhaftet und nehmen ihn mit.

Einer dieser Männer erklärte, dass er eigentlich Handschellen anlegen müsste.

Meine Frau ging nahe an meinen Vater heran und flüsterte: Wen soll ich verständigen?

Er antwortete kurz: CDU Bezirksvorstand.

Daraufhin bekam sie sofort Sprechverbot. Nachdem wir warme Unterwäsche, Waschzeug etz. eingepackt hatten, verließen sie das Haus und fuhren mit einem BMW (bzw. EMW) ab.


Da wir wussten, dass unser Telefon überwacht war, riefen wir sofort vom katholischen Pfarramt aus die CDU Bezirksleitung in Suhl an.

Als mein Vater in Suhl vorgeführt wurde, war schon von der CDU ein Rechtsanwalt anwesend, sodass er um Mitternacht wieder nach Hause kam.


Nach ca. drei Wochen wiederholte sich die Verhaftung, nur dass er zwei Tage wegblieb.

Die dritte Verhaftung fand dann vierzehn Tage später um Mitternacht statt.

Da ein ärztliches Attest vorlag das wir uns vorsorglich besorgt hatten, war er nicht haftfähig.

Auf Anraten der Familie unterschrieb er die Kündigung als Bürgermeister.

Daraufhin ließ man von einer Verhaftung ab.




Voraus zu sehen war, dass sich kein Nachfolger aus der CDU fand. Die Gemeinde bekam einen SED Bürgermeister, den Genossen Eckart


Zu den Praktiken der Wahl:

Bei der Wahl von 1950 wurde das erste Mal die sogenannte Einheitsliste der Nationalen Front aufgestellt.

Die Nationale Front war der Zusammenschluss aller Parteien und Massenorganisationen in einer Einheitsliste zu einem Block. Daher der Name Blockparteien.


Das Wesentliche war:

Die Parteien und Massenorganisationen (MO) stellten vor der Wahl ihre Kandidaten vor.

Die Anzahl der Kandidaten bestimmte die SED als staatstragende Partei nach der Mitgliedstärke der Partei auf zentraler Ebene.

(2,4 Millionen SED zu 100 000 CDU.)

Für die Massenorganisationen (MO) wurden eben-falls meist SED Genossen eingesetzt. (MO = FDGB, FDJ, DFD, Konsum usw,)


Das sah in Dermbach bei den letzten drei Wahlen so aus:

Von 34 Gemeindevertretern stellten die

CDU = 4 DBD = 2 LDPD = 1

NDPD = 1 SED = 26

Der Wahlvorgang selbst war ein Zettelfalten, wie es Egon Krenz später selbst nannte.





Die Stimmzettel waren einfache Listen mit dem Namen der einzelnen Kandidaten.

Es waren keine Kreise da, die angekreuzt werden konnten.

Die Stimmzettel wurden lediglich gefaltet und in die Wahlurne gesteckt.

Es war eine bessere Volkszählung.

Ein Stimmzettel galt erst dann als NEIN - Stimme, wenn ALLE Kandidaten einzeln waagerecht durch-gestrichen waren.

Eine weitere Taktik, die bei dieser Wahl eingeführt wurde, war, dass die Wahlkabine, ohne Bleistift, möglichst weit hinter der Urne stand, sodass man einen auffallenden Umweg machen musste, wenn man in die Kabine gehen wollte.


Das Wahlergebnis in Dermbach war:

1408 Stimmberechtigte

1341 abgegebene Stimmen

davon 35 Neinstimmen

(67 Stimmzettel waren mit Bemerkungen)


Bei diesem Ergebnis, sowie bei den nächsten Wahlen, spielte das Auszählen eine große Rolle.

Auch hierzu ein Beispiel aus ganz persönlichem Erleben:


Als wir im August 1950 heirateten, ließ sich meine Frau, die in Bremen (Rhön) polizeilich gemeldet war, nicht ummelden, um noch in Bremen zur Wahl zu gehen.




In dieser kleinen katholischen Gemeinde wurde noch

nach altem Stil gewählt.

Eine Wolldecke über einem Kuchengestell diente als Wahlkabine.

Nach dem Gottesdienst standen die Leute, auch katholische Ordensschwestern, mit Schreibstiften ausgerüstet, vor der Kabine Schlange.

Sie selbst nahm extra einen Rotstift mit, um die SED Kandidaten durchzustreichen.

Am Abend, wir machten wie immer Telefondienst im Wahlstützpunkt Dermbach, war unser erster Anruf nach Bremen, um nach dem Wahlergebnis zu fragen.

Wir waren sehr erstaunt, als 100% JA - Stimmen gemeldet wurden.


Diese Wahlpraxis verstärkte sich im Laufe der vierzig Jahre DDR immer mehr.

So ist es nicht verwunderlich, wenn die Wahlergebnisse immer besser, bzw. immer unmöglicher wurden.


Das sah in Dermbach so aus:

1950 Wahlbeteiligung 95%

1989 100%

1950 35 NEIN –Stimmen

1989 keine NEIN – Stimmen

Bei den letzten DDR Wahlen war es sogar schon in einzelnen kleinen Rhöngemeinden so, dass der Bürgermeister sagte: Kommt alle nach dem Kirchgang zum Wählen, und um 12 Uhr war die Wahl mit 100% abgeschlossen.



Ein weiteres Erlebnis aus der Wahl von 1960 :

Ich hatte Telefondienst in der Wahlzentrale.

Bei der Auszählung bekam ich eine Anfrage aus einer Nachbargemeinde:

Wohin sind die Bürger zu melden, die in die Wahlkabine gegangen sind?


Es stellt sich die Frage:

Warum gab es so wenig Nichtwähler?


Für die Nichtwähler gab es anfangs kleinere Schikanen, wie keine Einreise oder keinen Zuzug ins Sperrgebiet.

Für Rentner gab es keine Genehmigung für eine Fahrt in die BRD.

Später waren die Strafen härter.



 

H

ierzu ein Vorgang aus den 70-er Jahren:

Eine junge Kollegin aus Schmalkalden, die an unserer Berufsschule in Bad Salzungen unter-richtete, hatte einen kleinen Sohn. Der Vater war Algerier, den sie gerne heiraten wollte.

Sie bekam trotz mehrmaligem Antrag dazu keine Genehmigung.

Vor der Wahl zur Volkskammer wiederholte sie den Antrag.

Im Gespräch äußerte sie sich:

Wenn ich keine Genehmigung zum Heiraten bekomme, gehe ich nicht zur Wahl.

Daraufhin wurde sie fristlos entlassen.

Kurz darauf, aber noch vor der Wahl, wurde die Entlassung zurückgenommen und sie durfte wieder unterrichten.

Als der Tag der Wahl kam, ging die Kollegin, wie vorangekündigt, nicht wählen und wurde schon am Montag nach dem Wahlsonntag endgültig entlassen.


Unser damaliger Superintendent OKR Göpfert schrieb zu der

Wahl von 1950 in das Kirchenbuch:


Die Wahl, die keine war, wurde in ihrer Durchführung als unwürdig empfunden.

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Der Antifa-Block


Auch wenn das Kapitel Antifa-Block nur indirekt zur CDU-Arbeit gehörte, wurde in ihm der Partei und auch dem Bürgermeister viel Arbeit abver-langt.

Er war Hauptbestandteil der politischen Arbeit der ersten Nachkriegsjahre.


Eine sehr wichtige Aufgabe nach dem Zusam-menbruch des Dritten Reiches war die Über-windung der nationalsozialistischen und militar-istischen Ideologien in unserem Lande. Dazu bedurfte es einer engen Zusammenarbeit der drei politischen Parteien am Ort.

In jeder Gemeinde wurde ein politischer Beirat, der Antifaschistische Beirat gebildet, der die spezielle Arbeit dafür übernahm. Aus dem Beirat wurde im Bestreben der führenden Rolle der SED, der Block- Politik der Antifa Block.

(Etwa zu vergleichen mit dem Runden Tisch nach der politischen Wende.)


Er bestand aus Vertretern der drei am Ort beste-henden Parteien.

Das waren in Dermbach die SED, die LDPD und die CDU.

Der Vorsitz dieses Gremiums wechselte von Partei zu Partei.


In Dermbach wirkten vor allem die Parteifreunde Otto Schubert, als Bürgermeister, der Vorsitzende Reinhold Kirchner, die Parteifreunde Heinrich Wiegand und Rudolf Diel.


Jeder, der in eine Partei eintreten wollte, konnte erst nach einstimmigem Beschluss des Antifa-Blocks aufgenommen werden.

So sollte vermieden werden, dass ein Bürger in mehreren Parteien gleichzeitig sein konnte.

(Trotzdem habe ich 1946 auf der Meisterschule in Weimar einen Kollegen kennen gelernt, der in drei Parteien gleichzeitig war.)

Ich selbst war eine Zeit lang im Antifa-Block für die CDU Schriftführer.


Die vordringlichste Aufgabe dieses Gremiums war das Ausstellen bzw, Verweigern einer Unbedenk-lichkeitsbescheinigung, (damals Persilschein genannt). Sie bescheinigte die politische Unbe-denklichkeit der Bürger, das heißt, dass sie kein Mitglied der NSDAP oder einer der national-sozialistischen Organisationen war.. (Der Antifa-Block ist nicht zu verwechseln mit der Entnazifizierungs-Kommission, die es nur auf Landesebene gab.)

Diese Unbedenklichkeitsbescheinigung war strengen Vorschriften unterworfen.

Sie musste von drei Bürgen, die einer Partei angehörten, eigenhändig unterschrieben sein. Wenn möglich, von jeder Partei ein Bürge. Darunter musste genau eingetragen sein, welcher Partei sie angehörten.

Die Stellungnahme des Antifa-Ortsblocks musste auf jedem Formular auf der Rückseite verzeichnet sein. Umsiedler, die keine Bürgen hatten, mussten

von einem Notar eine notariell eidesstattliche Erklärung beilegen.




Der Eine hatte die Absicht auf reelle

Diese Unbedenklichkeitsbescheinigung wurde nicht nur benötigt, um in eine Partei einzutreten sondern sie war das wichtigste Dokument des Ostzonenbürgers.


Wollte man sich selbständig machen oder eine Schule besuchen, musste man eine Unbedenk-lichkeitsbescheinigung vorlegen.

Viele ehemalige Angestellte oder Beamte kamen ohne diese Bescheinigung nicht wieder in den öffentlichen Dienst.



vollkommen gesetzlicher Richtlinie Interzonenvre-kehr (im Handel) zu betreiben, der Andere benötigt dieselbe um eine Entnazifizierung durch die Spruchkammer Erfurt zur Erledigung zu bringen.


So wären noch tausend Gründe zu nennen, wie Erbschaftsregelung, Antrag eines Schwerbeschä-digtenausweises oder Antrag auf Pension oder Rente, wofür man eine politische Unbedenklichkeit vom Antifa-Ortsblock benötigte.


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Die Arbeit des CDU-Bürgermeisters


Mit dem Wahlerfolg von 1946 kam auf die CDU und ihren neuen Bürgermeister viel Arbeit zu.

Das neue Gemeindeoberhaupt wurde durch die Sowjetische Militärverwaltung, vertreten durch Mayor Galanto, eingeführt.

Durch den verlorenen Krieg und die Nachkriegs-wirren waren viele, für uns heute kaum noch nachzuvollziehende Aufgaben, zu bewältigen.


Hier geht es vor allem um die gewaltsame Vertreibung von insgesamt über zehn Millionen Deutschen aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern, aus teilweise sehr alten Siedlungs-gebieten im Baltikum, in Polen, Russland , Ungarn Rumänien, und Jugoslavien, in Böhmen , Mähren und der Slowakei in den Jahren 1944 bis 1948.

Der Gemeinde Dermbach wurden weit über 200 Personen zugewiesen.

Sie kamen in kleineren und größeren Transporten am Bahnhof an, mussten versorgt werden und möglichst schnell Wohnraum für sie gefunden werden.

Schon in den Kriegsjahren waren Flüchtlinge und Ausgebombte untergekommen.

Bedenken wir die damalige Wohnsituation mit ihrer ländlichen Struktur unseres Ortes, verstehen wir, dass es für beide Seiten, den Einheimischen und den Menschen, die ihre Heimat verloren hatten, schwer war, die notwendigen und richtigen Lösungen zu finden.


Neuer Wohnraum musste 1953 für 15 Familien gefunden werden, die im Schloss wohnten. Die Kasernierte Volkspolizei beanspruchte Schloss und Nebengebäude als Kaserne.


In jeder Gemeinde, so auch in Dermbach, gab es eine Wohnungskommission, in der Unions-freunde mitarbeiteten.

In dem Wohnungsausschuss waren alle Parteien des Ortes paritätisch vertreten.


Als 1946 an der damaligen Zonengrenze der 5-km Sperrstreifen gezogen wurde, war Dermbach mit in die Sperrzone einbezogen gewesen.

Es bedurfte sehr viel hartnäckiger Verhandlungen, vor allem mit der sowjetischen Besatzungsmacht, um Dermbach aus dem Sperrgebiet herauszu-nehmen. (Zella war in der Sperrzone.)


Der Abbau der Feldabahn von Kaltennordheim bis Dorndorf war vom Land Thüringen aus eine beschlossene Sache.

Durch zähe Verhandlungen und mit Hilfe des Bürgermeisters von Kaltennordheim konnte das verhindert werden. (Siehe Episode im Anhang.)


Auf Grund der damals durchgeführten Boden-reform musste der Lindighof aufgeteilt und vier Neubauernhöfe geschaffen werden.(Papst, Machof, Hofmann und Schleicher.)

Gleichzeitig wurde der Rodewald am Lindig gerodet und aufgeteilt.


Außer diesen wichtigen Aufgaben wurden auch viele bauliche Arbeiten durchgeführt, die auf Grund der bestehenden schwierigen Materiallage erwähnenswert sind:


Unsere Schule, die eine Zeit von den Amerikanern belegt war und in der Kriegsflüchtlinge aus dem Saargebiet untergebracht waren, musste gründlich renoviert werden.

Eine Firma aus Erfurt stellte die Farben und übernahm die Arbeit. Es wurden 156 Fenster-scheiben neu eingesetzt und die Heizung wurde komplett erneuert.


Die Geisaer Straße Hohle und der Schlossberg wurden gepflastert. Hierzu wurden 20 Waggon Pflastersteine benötigt.


Das Dorfwasser wurde verrohrt. Die Rohre wurden aus Neudietendorf beschafft., der Basalt am Dietrichsberg gebrochen und nach Neudietendorf zum Verarbeiten gebracht.


Im Bach wurde die Quelle gefasst und das Wasserbassin gebaut.




Der Schwarze Born wurde ins Dorfwasser und die Quelle im Hasenborn in das VEB Rhön- glaswerk geleitet.

Die beiden Friedhöfe wurden erweitert und eine Leichenhalle gebaut.


Es wären noch mehr Arbeiten aufzuzählen, aber das würde zu weit führen.

Es sind die wichtigsten und schwersten Aufgaben, die bis 1953 geleistet wurden.


A

uf Grund der Fertigstellung unserer schönen Mehrzweckhalle möchte ich noch auf ein Thema eingehen:

In den Jahren 1956 und 1957 wurde in den CDU-Versammlungen ernsthaft über den Bau eines Kulturhauses in Dermbach debattiert.

Im Juni 1956 wurde in einer Einwohnerversamm-lung über die Platzfrage gesprochen.

Die Wiesen zwischen Dermbach und Unteralba waren dafür vorgesehen.

Die Genehmigung wurde versagt und der Stadt Geisa zugeschlagen, weil sie im Sperrgebiet lag.

Diese Tatsache wird heute, gerade in den letzten Wochen, von einigen Leuten, auch in der Südthüringer Zeitung als Gerücht bezeichnet.


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Die Rolle der CDU in der atheistisch geprägten DDR

Warum ich Mitglied der CDU blieb?


Ein sehr umstrittenes Thema bei der Wieder-vereinigung war und ist die Stellung bzw. Inte-grierung der in der DDR bestandenen politischen Parteien, die sogenannten Blockparteien, in die Parteien der Bundes Republik Deutschland.

Eine besondere Stellung innerhalb dieser Block-parteien hatte hier die CDU.


Erstens durch das C, welches für christlich steht, musste sie in einem Staat bestehen, dessen Staatsdoktrin der militante Atheismus war.

Und zweitens hat sich die Ost-CDU mit der West-CDU bei der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes übergangslos zusammen getan, während sich die anderen Parteien, wie SPD, LDPD usw., neu gründen mussten.

Diese zwei Punkte wurden von Vielen, in Ost und West, verstärkt gegen die Ost-CDU eingebracht.

Wie so etwas aussieht und wie es geschichtlich falsch dargestellt werden kann, zeigt ein Ausschnitt aus einem Artikel unserer Südthüringer Zeitung vom September 1998.

Da heißt es:

In den meinungsmachenden Massenmedien wird die PDS stets als SED Nachfolgepartei erwähnt. Die Macher dieser Diktion suggerieren damit holzköpfige Starrheit. Aber sprachlich sind sie selbst auf dem Holzweg. Die Ost-CDU wandelte sich in eine Staatspartei West, ohne sich auseinander zusetzen mit der eigenen Verstrickung in das SED Regime.

Heute bekleiden Menschen Führungsfunktionen in Staat und Partei, die gestern den Imperialismus der BRD verdammten und den realen Sozialismus priesen.


Sicher wird die Beurteilung der Ost-CDU in Ost und West immer verschieden sein. Das kommt durch die verschiedenen Betrachtungswinkel der durch die in 40 Jahren unterschiedlich gemachten Erfahrungen.


Wir im Osten waren mehr als 40 Jahre politisch und wirtschaftlich unterdrückt. Das heißt, dass in der DDR mehr als eine Generation herangewachsen ist, die freie Wirtschaft und freies politisches Reden, Handeln und Entscheiden nie gelernt und erfahren hat.


So waren wir ALLE – mit oder gegen unseren Willen – in die allgemeine Unwahrhaftigkeit des Landes mehr oder weniger verstrickt.


Die CDU – als christliche Partei – stand mit ihrer christlichen Grundhaltung dem atheistischen Staat und der atheistisch geprägten Partei der Arbeiter-klasse kontrovers gegenüber.

Ihre Chancengleichheit zu den anderen Parteien wurde nicht nur durch die Einheitsliste und durch die Wahlpraktiken verhindert, sondern auch dadurch, dass das Bekenntnis der Bevölkerung zum Christentum in der DDR immer geringer wurde.


Durch die atheistische Propaganda und Erziehung

verließen immer mehr Menschen die Kirchen und somit den christlichen Boden.

Reinhard Henkys, einer der besten Kenner der 40-jährigen Kirchengeschichte in der DDR sagte hierzu:

In den Nachkriegsjahren waren neun von zehn Deutschen in der DDR evangelische oder katholische Christen.

Als der Staat am Ende war, gehörte höchstens noch jeder vierte einer Kirche an.


Der Erfurter katholische Theologe Eberhard Tiefensee schreibt:

Die hohe Zahl der Konfessionslosen in den Neuen Bundesländern (DDR Erbe) ist ein religiöser Supergau.

Der Anstieg von 6 auf 70 Prozent innerhalb zweier Generationen sei weltweit einzigartig.

Wegen des totalen Verlustes ihrer religiösen Sprache seien die Menschen in Ostdeutschland hoch resistent gegenüber Missionsversuche aller Art.

Den Menschen müsse das Erlernen eines spirituellen ABCs ermöglicht werden, ohne sie gleich als Gemeindemitglieder zu vereinnahmen.


Ich glaube aus eigener Erfahrung sagen zu dürfen, dass in der DDR die Mitglieder der CDU fast alle praktizierende Christen waren.

Trotzdem war die Einstellung der Kirchenleitungen – katholisch oder evangelisch – zur CDU sehr zurückhaltend und nicht gerade als gut zu bezeichnen.

Das Verhältnis der einzelnen Pfarrer zur Partei war sehr unterschiedlich, um nicht zu sagen extrem verschieden.

Waren in einer Gemeinde CDU-Leute die engsten Mitarbeiter des Pfarrers, so durfte in einer anderen Gemeinde ein Mann kein Lektor sein, nur weil er sich in der CDU engagierte.


Als 1965 der Dienst der Diakonatshelfer (damals Laiendiakone genannt) in der DDR, weltweit als einziges Land, eingeführt wurde, waren in Erfurt unter den ersten 42 Diakonatshelfern eine beacht-liche Anzahl aktiver CDU Mitglieder, ja sogar Funktionäre.


Nach der politischen Wende gingen aus dem kleinen Kreis der Diakonatshelfer in Erfurt ein Stadtrat in Arnstadt, der OB in Gotha und nicht zuletzt unser erster Ministerpräsident von Thüringen Josef Duchac hervor.

(Das sind nur die, die ich persönlich kenne.)


Auch war einer der wenigen in der DDR geweihten ständigen Diakone vorher Kreissekretär der CDU.


Auf unsere Gemeinde bezogen, kann man mit Fug und Recht sagen, dass das Verhältnis der beiden Kirchgemeinden zur CDU Ortsgruppe stets gut war.


1989, vor der Wende, hatte unsere Ortsgruppe 195 Mitglieder.


Das war der Grund, dass trotz der wenigen christlichen Gemeinderatsmitglieder, die uns nach den Wahlen zugestanden wurden, die kommunale und politische Arbeit in Dermbach stets sehr stark christlich geprägt war.


Wenn Ausschreitungen gegen die Kirche in Schule, Beruf oder Privat geschahen, die nicht selten waren, konnte man die CDU auf Kreis- oder Bezirksebene als Ansprechpartner für eine Eingabe oder Beschwerde benutzen.


In Dermbach war es schon ganz lustig, wenn jedes Jahr in der 8. Klasse der Oberschule die Inter-nationale im Musikunterricht auf dem Lehrplan stand.

Da lautet die zweite Strophe:


Es rettet uns kein höheres Wesen,

kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.

Uns aus dem Elend zu erlösen,

können nur wir selber tun.


Alle christlichen Kinder weigerten sich Jahr für Jahr diese Strophe aufzusagen oder mitzusingen.

Sie bekamen dann die Note 5 eingetragen.

Auch hier hat sich die CDU, gemeinsam mit den beiden Pfarrern, dagegen verwehrt und immer wieder Beschwerde eingelegt.


Das Thema Blockparteien wurde nach der Wende von Gegnern der CDU besonders hoch gespielt und ich glaube auch von vielen westlichen Politikern nicht richtig verstanden.

Es darf vor allem nicht vergessen werden, dass mit der Gründung der DDR im Jahre 1949 der Partei der

Arbeiterklasse, der SED, die Führungsrolle im Staat auch durch den § 1 der Verfassung verfas-sungsmäßig zukam.

So wurde zwangsmäßig die Politik unserer Partei immer mehr eine erzwungene Anpassung an die politischen und ideologischen Vorstellungen der SED.

Wie weit diese Anpassung ging, war von Kreis zu Kreis, von Ortsgruppe zu Ortsgruppe und vor allem von Person zu Person verschieden.

Es darf hier nichts verallgemeinert werden.

Viele der verzerrten Beurteilungen unserer Partei kommen durch die Verallgemeinerung negativer Erlebnisse oder Begegnungen, oft nur mit einzelnen Mitgliedern.


An Einzelbeispielen und Fragen will ich klar stellen, wo die CDU dennoch ihren christlichen Standpunkt bewahrte und für den Einzelnen und für die Gesellschaft von Nutzen sein konnte


Die erste Frage ist:


Wie hätte sich die CDU nach der Gründung der DDR bzw. nach der Aufstellung der Einheitslisten verhalten sollen?

Hätte sie sich auflösen sollen?

Das wäre für die DDR-Führung und die SED ein gefundenes Fressen gewesen.


Wie die DDR mit der CDU aussah, wissen wir.

Wie sie ohne die CDU geworden wäre, wissen wir nicht!


Wenn wir auch in der Regierung nicht viel zu bestellen hatten, wie es im Kapitel Wahlen festgestellt wurde, so war die CDU auf unterer Ebene, wie Kreis und Gemeinde, für uns sehr wichtig und hilfreich.


Trotzdem ein Beispiel, wie auch die CDU-Abgeordneten der Volkskammer in der Ost-CDU ihren christlichen Standpunkt vertraten:

Wir hatten in der DDR seit 1972 1,6 Millionen Abtreibungen. Das waren fast 100000 jährlich. Bei dem Beschluss des Abtreibungsgesetzes in der Volkskammer stimmten ALLE CDU-Abgeordneten dagegen.


Aber was machten bei der zahlenmäßigen Zusam-mensetzung der Volkskammer die wenigen Stim-men der CDU aus.


Auch auf Kreis- und Bezirksebene hatte die CDU oft positiv wirken können.


In den 60er Jahren bekamen wir neue Schulbücher. Ich war von der Bezirksleitung der CDU in Suhl im

Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Lehrer und Erzieher und wir sollten neue Schulbücher beurteilen.

Im neuen Geschichtsbuch der Klasse 7 oder 8 wurde das Christentum in nur wenigen Sätzen behandelt.

Sinngemäß so:

Jesus soll gelebt haben . . . und der wörtliche Schlusssatz:

Viele begannen an ihn zu glauben (Christen).

Dieses Buch wurde auf Veranlassung unseres CDU-Bezirksverbandes eingezogen.


In Dermbach haben unsere wenigen Gemeinde-vertreter der CDU sehr viel durchgeboxt und so unser christliches Gemeindebild bewahrt.


Die Tatsache, CDU-Mitglied zu sein, gab auch nach außen hin eine bestimmte Wertung.

Wenn ich als Lehrer einen mir fremden Kollegen traf, der mir sagte, ich bin in der CDU, so wusste ich, mit wem ich es zu tun hatte.


Mir persönlich hatte man wiederholt erklärt, dass ich mit meiner christlichen Einstellung und meiner Arbeit in der katholischen Kirche das Ansehen un-seres Lehrerkollektives schädige und gefährde.


Einige, auch in unserer Ortsgruppe, gingen in die CDU, um vor den Werbern der SED Ruhe zu haben.



War man Mitglied der CDU, so war die berufliche Karriere beendet.

Auch die Kinder der Mitglieder hatten darunter zu leiden.

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Neuer Anfang

 

Nach der Wende habe ich mit dem Schreiben meiner politischen Erinnerungen, begonnen.

Ich habe Artikel für Ost-West Informationsdienst des katholischen Arbeitskreises für zeitgeschicht-liche Fragen (Heft 195/1997 und 201/1999), für das Priesterjahrheft 2000 geschrieben, ein Faltblatt zu 50 Jahre CDU erstellt, einen Mitglieder-Abend des Lions-Club Hünfeld mit dem Motto: Persönlich erlebt – 40 Jahre DDR bestritten und vieles mehr.

Am 28. September 1997 wurde meine Arbeit durch einen schweren, von mir unverschuldeten Verkehrs­unfall unterbrochen. Es brauchte lange Zeit, bis ich das Schreiben wieder aufnehmen konnte.


Ende September 1998 bekam ich einen Anruf von Herrn Dr. Gescher aus dem Boni­fatiushaus in Fulda mit der Anfrage, ob ich schon wieder so fitt sei, um einen Vor­trag zu übernehmen.

Unter dem Motto "Zwischen Wartburg und Wasser­kuppe, Zusammenwachsen in der Mitte Deutsch-lands" setzte das Bonifatius­haus in Fulda vom 2. bis 6. November die Reihe seiner erfolgreichen Vor-jahresseminare fort. Zielgruppe dieses politischen Seminars waren Bedienstete der Deut­schen Post A.G. und der Telekom. Dabei waren auch Exkur-sionen vor­ge­sehen.

Die Anfrage von Dr. Gescher war folgende:

Können wir eine Exkursion nach Derm­bach unter-nehmen und würden sie eine Tagesveranstaltung organisieren und einen Vortrag von zwei Stunden übernehmen?

Das ge­wünschte Thema war heikel und lautete:

"Die Rolle der CDU in der ehemaligen DDR".

Trotzdem ich zu dieser Zeit wiederholt am Daumen operiert wurde und nicht schreiben konnte, sagte ich zu.

Noch vor meiner Einweisung ins Krankenhaus kam Herr Dr. Geiger, ein neuer Mit­arbeiter des Bonifatiushauses, zu uns, um alles zu besprechen.

Wir organisierten die Veranstaltung und legten die einzelnen Schwerpunkte des Vor­trages fest.

Wir vereinbarten: 10 Uhr Ankunft der Teilnehmer mit dem Bus aus Fulda. 10.15 bis 12.15 Uhr den Vortrag im Pfarrsaal der katholischen Kirche, anschließend Diskus­sion.

13 Uhr Mittagessen in der Gaststätte Zum Baier" in Unteralba, nach 14 Uhr Besuch in der Werkstatt des Holzbildhauers Manfred Bellinger, danach Besichtigung unserer schönen Barockkirche und anschließend Heimfahrt nach Fulda.

Als der 3. November kam, stand das Konzept.

Der Vortrag, bei dem mich meine Frau Marianna unterstützte, indem sie die kursiv geschriebenen Stellen vortrug, wurde aufmerksam aufgenommen und bildete die Grundlage einer regen Diskussion.

Die Beispiele aus dem Leben der christlichen Menschen in der DDR, die meine Frau und ich geben konnten, beeindruckten.

Die 30 Teilnehmer fühlten sich bereichert.

Sie versicherten, dass die Zeit zu schnell vergangen sei und die Reise nach Dermbach ein neues Verständnis des Lebens in der DDR gebracht hätte.


Nachtrag


Seit 01.06.2004 hat unsere Ortsgruppe ein neues Mitglied.
Es ist Herr Walter Graf (92 Jahre) Bahnhofstraße 32 a.
Herr Graf war von 1931 bis zum Verbot Mitglied der Zentrumspartei
in Berlin.
Ende 1945 kam er aus der Gefangenschaft und wurde
am 01.01.1946 Mitglied unserer Partei in Kamenz.



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